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Volume 9 Part 2 Article 7
Year 1977
Title: Versuche zur Biotechnologischen Aufbereitung von Rinderflüssigmist zu Kultursubstraten für Höhere Pilze
Author: K. Grabbe

Abstract:

Das klassische Substrat für die Kultivierung des Champignons, Agaricus bisporus, ist Pferdemistkompost. Um den Ernteertrag zu steigern, werden während der Heißrotte leichtverwertbare Kohlenstoff- und StickstoffqueUen zugesetzt. Die weltweite Verteuerung der bisher verwendeten Handelsprodukte z.B. Baumwollsaatmehl und Sojaschrot fördert die Suche nach bühgen Ausgangsmaterialien für die Substratbereitung bzw. -aufwertung. Hierbei richtet sich das Interesse vorzugsweise auf Abfallstoffe aus den verschiedensten landwirtschaftlichen Produktionsprozessen. So wird seit Jahren Hühnermist aufgrund seines hohen Stickstoffgehaltes mit Erfolg eingesetzt. Des weiteren werden Silage und Molke, Schweine- und Rindermist in die Untersuchungen einbezogen. Normalerweise fallen tierische Miste als Gemische aus Einstreu, Kot und Harn an. Bei der Massentierhaltung werden dagegen große Mengen an Schwemm- und Flüssigmisten produziert, deren umweltfreundliche und zugleich kostengünstige Beseitigung beträchtliche Schwierigkeiten bereitet. In zunehmendem Maße werden daher Möglichkeiten einer sinnvollen Weiterverwendung geprüft.

Die Grundlage der hier vorliegenden Arbeit war die Überlegung, daß Rinderkot zwar arm an Zellulose, jedoch reich an Ligninbestandteüen ist und somit als Nährsubstrat für den Champignon dienen könnte. In diesem Zusammenhang seien die Ergebnisse früherer Untersuchungen erwähnt (Grabbe 1972a, 1973), die gezeigt hatten, daß im Verlauf der Substratbereitung eine Stickstoffestlegung in den Huminstoffen und im Ligno-Protein- Komplex stattfindet. Zur Frage der Biomassebüdung ließ sich nachweisen (Abb. 1), daß überhöhte Aufwertungen mit mobüem Stickstoff nicht zu einem entsprechend hohen Stickstoffgehalt im spickfertigen Kompost führen. Dieser Befund bestätigte die Faustregel, daß die Einengung des C:N-Verhältnisses auf Werte unter 20:1 solange zur Freisetzung von Ammoniak fuhrt, bis sich die Dissimilationsleistung der Mikroflora mit der Assimilation erneut ins Gleichgewicht gesetzt hat, die Biomasse also eine dem Rottegrad bzw. dem Nährstoffangebot angepaßte Größenordnung besitzt und nicht beliebig vermehrt werden kann. Da der Einbau von Stickstoff in schwer verwertbare Fraktionen ebenfalls gewissen Gesetzmässigkeiten unterliegt, ist unter den gegenwärtig üblichen Bedingungen der Kompostierung dem Stickstoffgehalt im fertigen Kompost eine obere Grenze bei ca. 2,6% gesetzt. In der Praxis werden Gehalte zwischen 2,1 und 2,4% mit vernünftig dosierten Zuschlagsstoffen erreicht, was allerdings immer mit einem Verlust an häufig teuer eingekauftem Stickstoff verbunden ist. Bei der Verwendung von Rindermist ist zu erwarten, daß das reichlich vorhandene Ligno-Protein die einzelnen Rottephasen weitgehend stabil durchläuft und zur BUdung von Komposten gewohnter Qualität beiträgt.

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