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Volume 7 Part 1 Article 36
Year 1969
Title: Champignonanbau auf nicht kompostiertem Nährsubstrat
Authors: W. Huhnke and R. v. Sengbusch

Abstract:

Champignonanbau wird zur Zeit überall in der Welt auf kompostiertem. Pferdemist oder anderen organischen Substanzen, die aber in der Regel in einem Kompostierungsprozess aufbereitet werden, betrieben.

Im Max-Planck-Institut, Hamburg-Volksdorf, wurde em Verfahren ('Till-Verfahren') entwickelt, bei dem organische Substanzen ohne Kompostierung in steriler Aufbereitung als Nährsubstrat benutzt werden. Die Entwicklung dieses 'Stenlverfahrens' vollzog sich in mehreren aufeinanderfolgenden Phasen.

In der ersten Phase konnte Till nachweisen, dass die Kompostierung des Nahrsubstrates nicht unbedingte Voraussetzung fur die Pilzproduktion ist. Er arbeitete mit 1-Ltr Weckgläsern.

In der zweiten Phase konnten die Pilzertrage durch Aufwertung des Nahrsubstrats nach der sterilen. Anwuchsphase über die Durchschnittsertrage der Praxis gesteigert werden. Ausserdem wurde die Wiederverwendung des abgetragenen Substrats nach Stenhsierung erfolgreich erprobt. Es wurde in 5-Ltr -Substratbehaltern als Modell fur die Übertragung auf Praxisverhaltnisse gearbeitet.

In der dritten Phase wurde das Verfahren auf praxisahnliche Bedingungen und Grossenordnungen übertragen: Rationalisierung durch grossere (10-Ltr -) Substratbehalter, Mechanisierung der Substrataufbereitung und grosse Stenhsieranlage. Die Ertragsergebnisse der Vorstufe wurden auch unter Praxisverhaltnissen bestätigt und konnten durch weitere Verfahrensverbesserungen noch gesteigert werden.

Um die Rationalisierung des Verfahrens weiter voranzutreiben, wurden in der vierten Phase die 10-Ltr -Substratbehalter durch 200 Ltr -Stahlblechfasser mit aktiver Belüftung ersetzt.

Das Steril-Verfahren (Till) ist besonders dadurch gekennzeichnet, dass die sterile Phase vom Autoklavieren des Substrates über das Beimpfen mit einer sterilen Brut bis zum völligen Myceldurchwuchs reicht. Diese sterile Phase stellt hohe Ansprüche an technische Einrichtungen und an das Können der damit arbeitenden Menschen.

Um die Anwendbarkeit zu erleichtern, wurde ein abgeändertes Verfahren ('Huhnke- Verfahren') entwickelt Beim abgeänderten neuen Huhnke-Verfahren endet die sterile Phase bereits nach dem Sterilisieren des Till-Substrates. Im sofortigen Anschluss wird das Substrat in einem Fermentierungsprozess behandelt, wodurch in der Folge die Entwicklung von Konkurrenzorganismen des Champignons gehemmt und verhindert wird Das Beimpfen mit Champignonbrut und das Durchwachsen des Mycels können jetzt unter unsterilen Bedingungen und ohne Spezialeinnchtungen vor sich gehen Bedeutende Vereinfachungen erleichtern die Durchfuhrung des neuen Huhnke-Verfahrens, so dass damit einem grosseren Kreis von Anbauern die Umschaltung auf den Champignonanbau mit nicht kompostiertem Nahrsubstrat ermöglicht wird.

Alle in der Welt für den Champignonanbau gebräuchlichen Nährsubstrate werden erst durch einen mikrobiologischen Prozess, die Kompostierung, zur Ertragsfähigkeit aufbereitet. Dies gilt sowohl für das klassische Substrat Pferdemist, als auch für dessen Ersatz durch verschiedenste organische Rohstoffe, wie Getreidestroh, Heu, Mais, Holzspäne und andere. Vom richtigen und vollständigen Verlauf dieser mikrobiologischen Präparation ist der Ertragserfolg in erster Linie abhängig. Vielfache Erfahrung und theoretische Erkenntnisse sind Voraussetzung für die Beherrschung der komplexen mikrobiologischen Vorgänge. Daraus ergeben sich oft Schwierigkeiten und Unsicherheiten bei der Nährsubstrat-Aufbereitung.

Im Max-Planck-Institut, Hamburg, wurde ein ganz neuer Weg eingeschlagen mit dem Ziel, den Champignonanbau vom Risiko der mikrobiologischen Kompostierung des Nährsubstrats zu lösen und an dessen Stelle ein sichereres Anbauverfahren auf der Grundlage von nichtkompostiertem Nährsubstrat zu setzen.

Hatten alle Fachleute der Welt bisher geglaubt, dass die mikrobiologische Präparation unbedingte Voraussetzung für ein ertragsfähiges Champignon- Nährsubstrat sei, so erbrachte Till (1961a und b, 1962) in einem ersten Versuchsschritt den Beweis, dass die Kompostierung unter bestimmten Voraussetzungen absolut entbehrlich ist. Durch Sterilisierung seines nach Rezept hergestellten Nährsubstrats schaltete er jegliche Tätigkeit von Mikroorganismen aus. Nach anschliessender steriler Beimpfung und sterilem Mycelanwuchs erzielte er in Weckgläsern Fruchtkörper. Nach Tills Tod wurde das nach ihm benannte Verfahren vom Arbeitskreis Huhnke, Lemke und v. Sengbusch zunächst noch unter Laborbedingungen weiter entwickelt.

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